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Borderline-Störung


Literaturempfehlungen Diagnosekriterien



Diagnosekriterien

Diagnosekriterien in Einteilung nach Moskowitz

Nach dem DSM-IV (2001) müssen mindestens fünf von insgesamt neun diagnostischen Kriterien erfüllt sein, um von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (301.83 = ICD-10: F60.31) sprechen zu können. Die Kriterien wurden hier in 4 Gruppen zusammengefasst: Verhalten, Gefühle, Identität und Wahrnehmung. Welchen Gruppen die Kriterien angehören ist für die Diagnosestellung unwesentlich.

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Die Zitate sind dem Buch "Leben auf der Grenze" - mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Andreas Knuf - entnommen.

Verhalten

Zu dieser Gruppe werden die Kriterien 4 und 5 gerechnet.

Kriterium 4:
Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Fressanfälle“. Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind).
„Ich habe 150.000 DM Schulden, habe eine Unterschlagung begangen, meine Arbeitsstelle verloren, Geld geliehen und nicht zurückgezahlt, auf laufende Leistungen beim Arbeitsamt mit abenteuerlichen Geschichten Vorschuss abkassiert...Aber auf all das bin ich nicht stolz! Nach jedem Neuanfang habe ich wieder und wieder mit Spielen angefangen, obwohl mir die Folgen durchaus bewusst waren.
Ich habe mit exzessivem Sport und mit Selbstverletzungen meinen Körper soweit demoliert, dass ich heute auf den Rollstuhl angewiesen bin. Aber ich würde es genauso wieder machen, nur um mich und meinen Körper mal zu spüren, um zu wissen: Ich bin da.“ (Erika, S. 33)


Kriterium 5:
Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder – drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.„Kleinere Verletzungen hatte ich mir schon als Kind zugefügt, meist einfach nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen, oder um mich selbst abzulenken. Dann hatte ich so die Nase voll von meinem Leben, dass ich mir die Pulsadern aufschneiden wollte. Ich nahm eine Rasierklinge, und versetzte mir zum ersten mal einen sehr tiefen Schnitt. Der Anblick der Wunde erschreckte mich, doch das Gefühl, diese Euphorie, die mich sofort durchströmte, war überwältigend! Von diesem Tag an, wurde das Schneiden zur Sucht.“

Identität

Zu dieser Gruppe werden die Kriterien 1, 3 und 7 gerechnet.

Kriterium 1:
Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. (Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.)
„Isoliert und allein unter vielen hielt ich mich dann nachts zunehmend auf dem Flughafen auf, wo noch genug reges Treiben herrschte, um mich zu halten. Ich klammerte mich an die Geräusche in der Wartehalle und fixierte die Lichter auf dem Rollfeld, um mein Gesicht nur nicht in mich kehren zu müssen.“ (Katrin, S. 25)
Kriterium 3:Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
„Schon in meiner Jugend wusste ich nicht, was meine Wünsche bezüglich meiner beruflichen Laufbahn oder persönlicher Vorlieben waren. Ich fühlte mich nicht verbunden mit meinem Körper; es war so, als ob ich ständig neben mir stehen würde. Ständig hatte ich das Gefühl, im Raum zu schweben, ohne festen Halt unter den Füßen.
Langfristige Ziele habe ich nicht, vor allem bin ich nicht in der Lage etwas langfristig durchzuhalten, weil sich meine Ansichten ständig ändern. Ich flattere wie ein Schmetterling von einem zum anderen. Erst bin ich Feuer und Flamme für alles, aber das schlägt nach sehr kurzer Zeit ins Gegenteil um und ich suche wieder etwas Neues, wobei ist dann fest davon überzeugt bin, dass dies jetzt das Richtige ist, bis es schon bald darauf nicht mehr interessant erscheint. Es ist eigentlich ein Leben auf einer ewigen Achterbahn, auf der der Zug niemals anhält.“ (Momo, S.31)

Kriterium 7:Chronische Gefühle von Leere und Langeweile.
„Mein Leben wird überschattet von einem elendigen Kreislauf aus Depressionen, Wut und Leere. Ich habe versucht, die Leere mit fernsehen zu füllen. Das Fernsehen langweilt mich. Alles langweilt mich. Ich musste die Leere doch irgendwie füllen...! Und die Langeweile verbannen. Habe alles versucht. Nichts hat etwas gebracht. Habe mich also wieder geschnitten. Blut füllt Leere schnell...“ (Jesse, S.40)

Wahrnehmung

Unter diese Gruppe fällt das Kriterium 9.

Kriterium 9:Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.
„In belastenden Situationen oder wenn unerträgliche Gefühle anfangen mich zu überfluten, verschwinde ich innerlich. Ich bin dann nur noch Beobachter und sehe, wie ich scheinbar gelassen, sachlich und nüchtern in Stresssituationen reagieren kann. Hinterher kann ich mich oft nicht mehr an das Gewesene erinnern, als ob es nichts mit mir zu tun hat…“

Hinweis

die Zitate zu den jeweiligen Kriterien sind aus dem Buch "Leben auf der Grenze", Hrsg. Andreas Knuf, Psychiatrie-Verlag.