Borderline
2 Wege, Borderline zu verstehen:
- Wissen aus Forschung und Lehre
- Erfahrungswissen, von Borderline-Betroffenen und ihren Partnern und Angehörigen als Experten in eigener Sache.
Dementsprechend ist für uns nicht nur der professionelle Ansatz der Hilfe interessant, sondern gleichermaßen auch der Selbsthilfeaspekt.
Üblicherweise wird Borderline in Deutschland nach den Kriterien des DSM IV (Diagnostisch Statistisches Manual der Amerikanischen Psychiatervereinigung) diagnostiziert; im Abrechnungssystem der Krankenkassen nach der ICD (International Classification of Diseases) verschlüsselt.
Nach dem DSM-IV (2001) müssen mindestens fünf von insgesamt neun diagnostischen Kriterien erfüllt sein, um von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (301.83 = ICD-10: F60.31) sprechen zu können. Die Kriterien wurden hier zur besseren Übersichtlichkeit nach Moskowitz in 4 Gruppen zusammengefasst: Verhalten, Gefühle, Identität und Wahrnehmung. Welchen Gruppen die Kriterien angehören ist für die Diagnosestellung unwesentlich; zur Erklärung finden wir sie jedoch hilfreich.
typisch borderline?
Wer sich mit den diagnostischen Kriterien der Borderline-Störung näher befasst wird feststellen, dass die Kriterien Verhaltens- und Erlebensweisen beschreiben, die jeder Mensch kennt. Bei Menschen mit Borderline sind diese allerdings in einer sehr viel stärkeren Ausprägung sichtbar, vor allem für die Betroffenen spürbar.
In der wissenschaftlichen Diskussion taucht die "aversive Anspannung“ als Leitsymptom auf (Bohus 2004) auf; das bedeutet, dass diese Anspannung bei der Diagnosestellung abegefragt wird und einen wichtigen Hinweis auf das Vorliegen einer Borderline-Störung geben kann. Diese Anspannung wird von den Betroffenen als emotionaler Hochstress erlebt und hat zur Folge, dass alles versucht wird, um diesen Zustand zu beenden. Meist sind es Dinge wie z.B. Hochrisikoverhalten, Selbstverletzendes Verhalten, Substanzmissbrauch, etc. die den Betroffenen helfen und von Fachleuten als sog. "dysfunktionale Verhaltensweisen" beschrieben werden. Diese Verhaltensweisen helfen kurzfristig, führen aber langfristig zu weiteren Problemen.
die Spitze des Eisbergs
Für uns ist die Verhaltensebene im Grunde nur der für Außenstehende "sichtbare" Teil der Borderline-Störung; dieser sichtbare Teil beschreibt die Bewältigungsstrategien für die schwierigen Gefühle, die Borderline-Betroffene erleben. Vergleichbar ist dies mit dem Prinzip des Eisbergs: nur ein kleiner Teil ist sichtbar, die zentralen Gefühle, die eigentlichen Probleme sind unter der Oberfläche verborgen. Zur Veranschaulichung haben wir das Bild der "Spitze des Eisbergs" gewählt (nebensehend).
Verantwortung
Um aus der Borderline-Dynamik wieder heraus zu finden, ist in unseren Augen ein wichtiges Thema die Eigenverantwortung. Vielen Borderline-Betroffenen fällt es -meist über eine lange Zeit hinweg- sehr schwer, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Oftmals ist dies eine Folge von zu viel Verantwortungsübernahme in der Ursprungsfamilie. Später erscheint die Eigenverantwortlichkeit als eine Bürde, die nur allzu gern abgegeben wird. Um Eigenständigkeit zu erlangen und selbstständig leben zu können, ist aber dies einer der wichtigsten und zugleich schwierigsten Schritte, die Borderline-Betroffene gehen müssen.
Gerade im therapeutischen Setting, vor allem aber im psychiatrischen Kontext, sollte dieser Aspekt nicht unterschätzt werden!
Weitere "Schlüssel"-Themen sind: Autonomie und Abhängigkeit, Identität und Individualität, Macht und Ohnmacht.
In unseren Referaten können Sie mehr über diese für uns bei Borderline zugrunde liegende Gedanken erfahren und mit uns über weitere Aspekte der Heilung diskutieren!



