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Borderline-Trialog


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Hersbruck

neue Termine!

Unsere Termine für 2012 in Hersbruck sind:

Do, 04.10.2012
11.10.
25.10.
08.11.
22.11.

Zeit: jeweils 18.00 Uhr bis 20.30 Uhr.

Ort: Beratungsstelle für seelische Gesundheit, Gartenstr. 29 in Hersbruck

Zeitungsbericht des Sozialpsychiatrischen Dienstes

Hoffnung für Borderline-Erkrankte

Gesprächsangebot für Angehörige, Betroffene und Fachleute

Die wissenschaftliche Forschung der letzten Jahre hat zu einer sehr differenzierten Beschreibung des Krankheitsbildes „Borderline“ geführt. Eine Hauptschwierigkeit der Betroffenen liegt in der Regulation von Emotionen, die sehr viel heftiger und plötzlicher auftreten, als es sich die meisten Menschen vorstellen können. Borderline-Persönlichkeiten leiden zusätzlich unter großer Unsicherheit und einer tiefen Selbstablehnung. Obwohl sie sich teilweise selbst nicht zu helfen wissen, lehnen sie oft Hilfsangebote ab.

Dieser Cocktail sprengt jede übliche zwischenmenschliche Kommunikation. Betroffene, Angehörige und Fachleute kommen schnell an ihre Grenzen und Missverständnisse nehmen den Platz gegenseitigen Verstehens ein. Heute ist „Borderline“ aber keine aussichtslose Diagnose mehr. Es gibt derzeit neben spezialisierten Therapieprogrammen auch Foren, die ausdrücklich den Austausch zwischen den Beteiligten fördern. Die Idee, Professionelle, Angehörige und erkrankte Familienmitglieder an einen Tisch zu holen, wurde 2001 vom Schriftsteller Andreas Knuf in seinem Buch „Leben auf der Grenze“ beschrieben. Auf gleicher Augenhöhe sollten sie sich begegnen und im Trialog – im Austausch dreier Personengruppen – Erfahrungen und Wissen der jeweils anderen kennenlernen. Wenn mit den eigenen Angehörigen nichts mehr geht, wenn ein ruhiges Gespräch mit Betroffenen sofort eskaliert, dann hat ein Trialog trotzdem noch eine Chance. Lernen und Verstehen findet hier über Stellvertreter statt. Fremde Eltern, unbekannte Betroffene, Sozialpädagogen oder Ärzte von anderen Einrichtungen begegnen sich neu. Niemand muss eine verfahrene Situation korrigieren, denn so weit kam es noch nicht. Aber alle haben Erfahrungen, Probleme und Lösungsversuche um das Thema Borderline.

Im Borderline-Trialog einigen sich die Teilnehmer auf Gesprächsregeln, eine Grundhaltung von Gleichberechtigung und Selbstverantwortlichkeit sowie auf den Grundsatz, dass Wahrheit subjektiv ist. In diesem Rahmen sind intensive Lernprozesse möglich, die allen drei Beteiligtengruppen nützlich sind.

Nachdem 2004 der erste bundesweite Trialog in Ansbach stattfand, bildeten sich über Deutschland verteilt bis in die Schweiz regionale Trialoggruppen. Die Beratungsstelle für seelische Gesundheit der Caritas und der Diakonie gründete 2008 ein solches regionales Angebot im Landkreis Nürnberger Land. 2010 startet der Trialog mit einem Filmabend am 07.10.2010 um 18.00 Uhr in Hersbruck, Gartenstraße 29. Darauf folgen eine Informationsveranstaltung am 14.10.10 und drei weitere Treffen mit gegenseitigem Erfahrungsaustausch (21.10., 04.11., 18.11.). Der nächste bundesweite Trialog ist für den Freitag, den 29.10.2010 in Ansbach geplant mit dem Titel „Alltag und Arbeitsleben mit Borderline“. Weitere Informationen bei der Beratungsstelle für seelische Gesundheit, Tel. 09151 / 2019 oder bei der BorderlineTrialog Kontakt- und Informationsstelle 0911 / 42485540.

Christina Gietl

Bericht zur Gründung von Frau Gietl

Borderline-Trialog gegründet
Fachleute, Angehörige und Borderline-Betroffene im Gespräch

Sie schneiden sich tief ins Fleisch. Sie kauen superscharfe Chilies. Sie nehmen auch Alkohol, Medikamente oder Drogen zur Betäubung. Sie sind tief verzweifelt. Sie sind misstrauisch. Sie können sich selbst nicht leiden. Sie wachen auf mit Suizidgedanken und schlafen damit wieder ein. Borderline heißt übersetzt Grenzlinie. Im Leben vieler Borderline-Betroffener gibt es ein Problem mit Grenzen seit deren Kindheit: Oft wurden körperliche und seelische Grenzen durch Missbrauch oder andere traumatische Erlebnisse nicht eingehalten, Widerstand und entsprechende Gefühle unterdrückt. Auch in ganz normalen Familien finden sich Mitglieder mit Borderline-Persönlichkeit, die Schwierigkeiten haben, ihre Berufsausbildung durchzusstehen, die in Beziehungen scheitern, zwischen Aggressivität und Anhänglichkeit extrem schwanken. Das Gefühlsleben der Betroffenen ist für alle Beteiligten eine Zerreissprobe.

Die Beratungsstelle für seelische Gesundheit von Caritas und Diakonie berät Betroffene und deren Angehörige. Die Diagnose Borderline ist inzwischen kein Schicksal mehr. Es gibt Behandlungsmöglichkeiten. "Grundlage einer guten Behandlung ist gegenseitiges Verstehen. Weil in jeder zwischenmenschlichen Kommunikation auch Gefühle eine Rolle spielen, ist der Kontakt mit Borderline-Persönlichkeiten zeitweise sehr aufwühlend und schwierig. Umgekehrt fühlen sich Betroffene häufig nicht verstanden, sehr einsam und fremd auf der Welt", erläutert Christina Gietl, Leiterin der Beratungsstelle.

Der Borderline-Trialog setzt daher bei den Begegnungen zwischen Fachleuten, Angehörigen und Borderline-Betroffenen an. Er ist ein Austausch darüber, wie diese Erkrankung und die Kontakte miteinander erlebt werden. Jeder äußert sich aus seiner persönlichen Sichtweise heraus. Ziel ist es, das Verständnis zwischen den drei verschiedenen Teilnehmergruppen zu verbessern. Die Teilnahme ist freiwillig und es werden feste Gesprächsregeln vereinbart. Alle Teilnehmer haben einen gleichberechtigten Stand. Insgesamt sind fünf Abende vorgesehen, die auch einzeln besucht werden können. Beim ersten Treffen legen die Teilnehmer die Schwerpunktthemen für die Folgetermine fest. Themenbeispiele aus anderen Borderline-Trialogen sind "Angst", "Schuldgefühle", "wie funktioniert DBT (eine verhaltenstherapeutisch fundierte Behandlungsform)", "Notfallkoffer" oder "Wünsche an Angehörige". Die Abende werden von zwei Mitarbeiterinnen der Beratungssstelle moderiert. Die deutschlandweit angefragte Trialog-Organisatorin aus Nürnberg, Anja Link, wird beim ersten Treffen dabei sein und die Gründung unterstützen.

"Wir haben bereits sehr gute Erfahrungen mit einem Trialog das Thema Psychose betreffend gemacht. Für die Betroffenen hat dieser Trialog Selbsthilfecharakter, sie werden selbstbewusster. Für die Angehörigen bietet er Informationen und Entlastung und die Fachleute erfahren hier mehr, als sie an der Universität oder im Berufsalltag zu hören bekommen", berichtet Christina Gietl. Bundesweit gibt es derzeit mehr als einhundert Psychose-Trialoge. Diese Gesprächsform ist für die Borderline-Persönlichkeitsstörung noch nicht so verbreitet. In Nürnberg existiert bereits eine Gruppe, im Nürnberger Land wird der Borderline-Trialog erstmals gegründet. Beginn ist Donnerstag, 09.10.2008, 19.15 Uhr - 21.00 Uhr im Gruppenraum der Beratungsstelle, Gartenstr. 23, Hersbruck. Die Folgetermine: 16.10., 30.10., 13.11., 27.11.08. Anmeldung ist nicht erforderlich.

Information unter: 09151 / 2019.
Datum: 07.10.2008
Christina Gietl